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Ein Herz für Tiere Ausgabe 10/99
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Artikel erschienen in der Zeitschrift
Ein Herz für Tiere Ausgabe 10/99
Ein Freundschaftsdienst mausert sich zum Beruf

Tiersitten wird bislang meist als Gefälligkeit angesehen. Als Beruf hat es noch kaum seinen festen Platz eingenommen, und wenn, dann vor allem in Form von Tierheimen . Inzwischen ist auch das mobile Tiersitting dabei sich als Fulltime-Job zu etablieren.

Dienstleistungen rund ums Tier sind ein Gewerbe-Zweig, den immer mehr für sich entdecken. professionell und gewinnorientiert lässt sich damit in Ballungsgebieten durch aus genug Geld zum Leben verdienen. Das Angebot schafft hier die Nachfrage. Die Tierhalter nutzen gerne die Möglichkeit, ihr Tier fachgerecht versorgen zu lassen.

Einen guten Profi-Sitter zu engagieren, hat für den Halter manche Vorteile:

·Er kann sich darauf verlassen, dass ein Sitter kommt, selbst wenn der Chef oder die Chefin einmal krank sind. Denn diese Zuverlässigkeit ist das Hauptargument für diese Branche.

· Ferner ist ein Profi-Sitter für vielerlei Dienste einsetzbar, zum Beispiel Blumen gießen, Hund spazieren führen, Briefkasten leeren, Zeitung hereinholen, Jalousien öffnen, schließen und vieles mehr.

· Drittens ist der Halter dem Sitter nicht so zum Dank verpflichtet, wie es bei einem Nachbarn der Fall wäre.

· Der Halter tritt als Auftraggeber und nicht als Bittsteller auf. Er kann somit alle seine Wünsche äußern und auch davon ausgehen, dass sie berücksichtigt werden.

·Domizilpflege Der Sitter kommt und versorgt Katzen, Kleintiere, Blumen. kümmert sich um Haus, Post, Zeitung, Jalousien, Mülltonnen und anderes.

· Passiert etwas mit einem Tier, dann ist die Haftungsfrage geklärt, denn es gibt einen Vertrag zwischen Sitter und Halter.

· Ein Pet-Sitter kann auch ohne Scheu kurzfristig engagiert werden.

· Und schließlich ist der Pet-Sitter ein Profi, der die betreute Tierart kennt und bei Problemen weiß, was zu tun ist.



Diese obengenannten Punkte sind die Eckpfeiler für den, der einen Sitter-Service aufziehen möchte. Dabei gibt es viele Möglichkeiten:

Die Domizil-Betreuung, die vor allem bei Katzen, Volieren-Vögel, Aquarien und Pflanzen nötig ist.

Die Ferienplatz-Betreuung, also eine Tierpension.

Oder der Gassi-ausführdienst für Hunde, also die stundenweise Betreuung von Vierbeinern berufstätiger Menschen oder auch solcher, die nicht gut zu Fuß sind.

Das Tagesheim für Hunde.

Alle diese Bereiche lassen sich zum Pet-Sitter zusammenfassen.


Und genau das haben die Schweizer seit eineinhalb Jahren modellhaft etabliert:

Das Schweizer Modell

,,Pet-Sitter-Verein" nennt sich eine Organisation, die mit Unterstützung vom Konrad-Lorenz-Kuratorium gegründet wurde in der seriöse und erfahrene Pet-Sitter aller Art Mitglied sind. Ein Service-Telefon vermittelt den Tierhaltern einen Sitter in ihrer Nähe, so dass Halter und Sitter gleichermaßen profitieren.

Jedes Mitglied hat seine eigene Dienstleistungsfirma unter einem eigenen Namen gegründet. Noch sind zwar erst 16 Sitter-Unternehmen in der Vermittlung vereint, doch die Idee hat sich in den knapp zwei Jahren ihres Bestehens bereits bewährt.

Der erfahrenste im Geschäft, Thomas RichIi, bietet seine Dienste schon seit zehn Jahren an. Seine Firma heißt ,,Puwo", abgeleitet vom Wort pudelwohl. Er bietet einen Spazierdienst, eine Spielgruppe für Hunde, Verhaltenstherapie für Hunde, Ausbildung, Bachblütentherapie, einen Futterdienst und anderes an. Andere Mitglieder im Verein haben sich auf die Domizil-Betreuung spezialisiert. So gibt es im Verein,, die Domizilbetreuung ,,Holipet" einen ,,Happy-Animals,Tier-&Ferienservice" oder einen ,,Haus-Tier-Service".

In Österreich sind Tiersitter-Dienste über die Internet-Website des Tierschutzvereins ,,Vier Pfoten" zu finden. In Deutschland sind Tiersitter weitgehend privat organisiert, vor allem auf Gegenseitigkeit wie bei den Catsitter-Clubs. Es gibt auch andere, etwa in Berlin den Hunde-Fit-Ausführdienst.

Die Investitionen sind gering, außer beim Gassi-Dienst: Wer täglich mehrere Hunde abholt braucht ein Spezial-Fahrzeug oder einen Anhänger mit vielen Hundeboxen und am besten eine eigene Auslaufwiese.



Die Finanzen

Ein Pet-Sitter-Dienst ist ein Gewerbe, das bei den Behörden angemeldet werden muss. Wer Tiere bei sich aufnimmt, also zusätzlich eine Tierpension unterhalten will, muss eine Genehmigung des Amtsveterinärs (der Gemeinde etc.) einholen. Bevor Sie endgültig beschließen, einen Tiersitter-Dienst anzubieten, sollten Sie sich vergewissern, dass das Veterinäramt keine für Sie unerfüllbaren Auflagen macht. Um als Kleinfamilie von einem Pet-Sitter-Dienst leben zu können, müssen Sie rund 300 Mark täglichen Umsatz machen, damit Ihnen wenigstens 4000 Mark netto übrig bleiben. Das ist natürlich nur ein Richtwert, denn die Ausgaben für Aushilfen können recht hoch sein, besonders dann, wenn Sie selbst in Urlaub fahren wollen. Für diese 300 Mark müssten Sie täglich 15 Hunde spazieren führen, oder, alternativ dazu, neun Hunde ausführen, zu sechs Katzen fahren, vier Briefkästen leeren und fünfmal Blumen gießen. Dieser Rechnung liegen Mindestpreise, ohne Futter, zugrunde. Es gibt in der Praxis auch viele Sonderfälle, Wochenpreise, Rabatte für Vielkatzen-Betreuung, Pauschalangebote usw.



Berufs-Richtlinien

Damit Seriosität gewährleistet ist, verpflichtet der Schweizer Verein seine Mitglieder nach amerikanischem Vorbild zu ethischen Richtlinien, ausserdem gibt es im Verein nur Mitglieder die auch über die für ihre Tätigkeit notwendige Infrastruktur verfügen. Die Ausbildung bleibt zwar jedem selbst überlassen, allerdings muss er glaubhaft machen, dass er mit Tieren umgehen kann und das gewisse Flair hat das es dazu braucht. Was er noch können muss, um erfolgreich zu sein, ist organisieren, Termine einhalten, mit Menschen umgehen und geschäftstüchtig sein, so wie Thomas RichIi. Er hat vor zehn Jahren an den richtigen Stellen (Tierarzt, Futter-Läden, Hundevereine etc.) seine Werbezettel ausgehängt und dabei die passenden Worte gefunden, um Hundehalter zu begeistern. Schon zwei Monate später konnte er von seinen Einnahmen leben. Die Tierhalter im städtischen Bereich nehmen solche Dienste auf jeden Fall gerne an. ,,Das sind nicht nur die oberen Zehntausend, sondern auch Leute, deren Hobby ihr Hund ist, und dafür sind sie gerne bereit zu investieren", sagt Thomas Richli.

Sein Erfolgsrezept ist absolute Zuverlässigkeit und Verantwortungsgefühl. Damit der Kunde sieht, was gemacht wird, kommt der Pet-Sitter zu einem Vorgespräch mit einem Info-Blatt, einem Fragebogen und einem Vertragsformular. Er lässt sich alles zeigen und erklären.

Der Präsident des Pet-Sitter-Vereins Thomas Richli empfiehlt:

die Büroarbeit so gering wie möglich zu halten, wenn möglich bar zu kassieren, (reduziert den administrativen Aufwand) was bei seinen Kunden problemlos klappt. Er verkauft Abo-Karten, die dann abgearbeitet werden.

Ein Problem kann es werden, wenn zu viel Lärm entsteht; wer gelegentlich Hunde mit nach Hause nehmen möchte, sollte nicht zu nah am nächsten Nachbarn leben und die gesetzlichen Vorschriften beachten. In Deutschland gibt es dazu Auflagen von den Behörden.

Als Hunde-Ausführer muss der Sitter am besten auch eine eigene Auslauf-Wiese anbieten können um einen allfälligen Leinenzwang zu umgehen, sowie Problemen mit Rudelfremden Hunden und Menschen auszuweichen. Für einen Hunde-Ausführ- Service sowie auch für eine Hunde-Pension gibt es ausserdem seitens von Behörden einige Gegebenheiten (Gesetze) zu beachten.

 

Ausbildungs-Fragen

Eine offizielle Ausbildung gibt es nicht. Eine Tierpfleger-Ausbildung ist für die Domizilpflege nützlich, aber nicht vorgeschrieben. Für die Pensionspflege kann sie oder eine ähnliche Ausbildung (z.B Tierarzthelferin, Tierarzt) verlangt werden. Wer Tiere beruflich betreut, muss Kenntnisse darüber nachweisen. Wichtig ist eine ausreichende Erfahrung im Umgang mit der zu betreuenden Tierart.

Der Profi-Tipp : ,,Das Wichtigste ist: Es muss immer 100% funktionieren, auch wenn man mal krank ist. Daher kann eine Einzelperson einen solchen Dienst nicht schaffen. Es sind immer Helfer nötig, die zuverlässig einspringen können. Thomas Richli, Pet-Sitter aus Binningen (Schweiz)



Isabella Lauer

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. Juni 2010 um 10:34 Uhr
 
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