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Bz Basellandschaftliche Zeitung 28.3.98
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Bz Basellandschaftliche Zeitung 28.3.98
Damit sich Hunde pudelwohl fühlen.
Das bz-Porträt: Heute Thomas Richli, Allrounder in Sachen Hund

Er lies andere Leute in seinem eigenen Fitnesscenter schwitzen . Als Windelkurier holte er die selber entwickelten und patentierten Stoffwindeln bei seinen Kunden ab und brachte sie sauber zurück. Heute hat er es mit Hunden:

Richli leitet einen Spazierdienst für Vierbeiner.

Die Begrüssung ist laut und heftig. Ein aprikosen farbiger Pudel, der auf den Namen «Taiger» hört, springt freudig bellend hoch. Sein Herrchen Thomas RichIl erklärt, durch diesen Pudel sei er eigentlich «auf den Hund gekommen».

Von Mirjam Jauslin


Vor elfeinhalb Jahren habe ihm ein Bekannter den Vierbeiner vorbeigebracht: «Vorher hatte ich mit Hunden nicht viel am Hut». Als der Pudel schliesslich bei ihm blieb, begann er, sämtliche Fachliteratur über Hunde sowie Wölfe zu verschlingen: «Ich wollte einfach wissen, auf was für ein Wesen ich mich da eingelassen hatte.» Seit 1991 bietet Richli den Hundespazierdienst «Puwo» an, was so viel heisst wie pudelwohl.

Konzentration nötig


«Von aussen gesehen wirkt das Spazieren mit dem Hunderudel wie ein Kinderspiel», sagt Richli. Aber: «Es ist eine sehr intensive Arbeit. Man muss dauernd auf Draht sein. Das Rudel lebt schliesslich.» Eine Spaziergruppe bestehe aus acht bis fünfzehn Hunden, die im Normalfall nicht an der Leine geführt würden. Sie dürfen im Wald spazieren oder sich auf einem umzäunten Areal im Elsass austoben.

Richli meint, die Hunde fühlten sich im Rudel wohl, «weil da mehr los ist.» Denn der Hund sei eines der sozialsten Tiere überhaupt, «er braucht seinesgleichen sonst wird er neurotisch.» Für seine Funktion als «Leithund» habe er von den Hunden selbst am meisten gelernt.

Mit und ohne Stammbaum

In einer Spaziergruppe seien alle Arten von Hunden dabei, solche mit Stammbaum, aber auch Mischlinge. Auch seine Kunden stammten aus allen Schichten: «Vom Basler Gross-Verleger bis zum Junkie.» Richli kennt seine Kunden alle persönlich. Die meisten kämen aus Basel oder aus der näheren Umgebung. Viele seien berufstätig oder könnten nicht selber mit dem Hund spazieren gehen, weil sie krank seien. Andere wollten ihrem Hund einfach etwas Nettes gönnen.

Richli wuchs mit seinen drei Geschwistern in einfachen zufriedenen Verhältnissen, im Kleinbasel auf. «Auch ich war als Kind viel unterwegs», erzählt Richli, das war draussen in den Strassen des Kleinbasels. «Ich wuchs sozusagen im Rudel auf:

Klybeck-Rudel, Horburg-Rudel.», sagt er und lacht verschmitzt. Orte wie das Kleinbasel würden noch wirklich leben, schwärmt Richli wobei er heute doch lieber in Binningen wohne. Das Kleinbasel jedoch sei seine Lebensschule gewesen und habe ihn fit fürs Leben gemacht.

Jeden Tag ein Klöpfer

An seine erste Begegnung mit einem Hund kann Richli sich gut erinnern: Er sei acht oder neun Jahre alt gewesen. Er ging immer den gleichen Weg zu seinem Spielplatz. unterwegs kam er an einem dicken Hund vorbei, der auf dem Trottoir lag. «Ich brachte dem Hund immer einen Klöpfer von zu Hause mit, was ihn sicherlich sehr freute.» Heute hofft er, dass nicht seine Cervalas ihn so dick gemacht haben.

Nach der Schule wurde Richli Töffmechaniker. Er machte sich aber bald selbständig, als einer der ersten Tagelöhner in Basel, betrieb danach 6 Jahre ein Fitnesscenter, versuchte sich in der Werbebranche, gründete mit einem Partner den «Windelkurier» und arbeitete in einer Handlung für Zooartikel.

Dort behagte ihm der geregelte Tagesablauf nicht - er wollte «wieder selbständig arbeiten», Am meisten störte ihn, dass sein Pudel zu kurz kam. «Ich konnte den Hund zwar zur Arbeit mitnehmen, aber ich hatte immer das Gefühl, ich hätte zu wenig Zeit für ihn.» Dann sei ihm aufgefallen, dass es vielen Hundebesitzern ähnlich gehe. So sei er auf die Idee mit dem Hundespazierdienst gekommen.

Mittlerweile hat Richli freie Mitarbeiter, die mit den Hunden spazieren gehen. Heute sei er mehr Organisator, der die Infrastruktur zur Verfügung stelle und immer für Sonderfälle sowie zur Ablösung seiner Mitarbeiter bereitstehe meint Richli. Zudem widme er sich der Verhaltenstherapie für Herrchen und Hund. Er helfe Besitzern, welche die «Hundesprache» zu wenig beherrschten, Fehlverhalten gegenüber ihrem Vierbeiner abzubauen. Um so die Verständigung zwischen Hund und Mensch zu verbessern, manches Problem würde sich dadurch in Luft auflösen Er nennt ein Beispiel: «Nehmen wir einen ängstlichen Hund, der nicht Auto fahren will.» Wenn sein Herrchen ihn zu beruhigen versuche, sei das völlig falsch, denn der Hund fasse das liebevolle Zureden als Belohnung seiner Angstreaktion auf und werde noch ängstlicher. Besser sei, man packe den Hund ins Auto. Sobald er merke, dass nichts Schlimmes passiere, verschwinde auch die Angst.

Gesetzeskonform

Im Moment beherbergt Richli in seinem Haus sechs Hunde. Der Pudel «Taiger» und der Labrador-Mischling «Bico» gehören ihm. Die anderen vier seien Ferienhunde oder Tiere, die er tagsüber betreue. Mit Ausnahme von «Taiger», der sich unter dem Tisch ausstreckt, tollen alle im Garten herum.

Wie reagiert die Nachbarschaft auf die vierbeinigen Besucher von Thomas Richli? «Die haben sich daran gewöhnt.» Manche vor allem diejenigen die direkt nebenan wohnen seien sogar froh über die Alarmanlage. Es gäbe zwar immer noch solche, die sofort den Kopf aus dem Fenster strecken würden, sobald ein Hund Laut gebe. Gebell dringt durch die offene Balkontür in das Wohnzimmer. Richli steht auf, geht zum Balkon und ruft den Hunden etwas zu, worauf diese sich beruhigen. Als er zurückkommt, meint er grinsend, so lange die Hunde nicht länger als 15 Minuten andauernd bellen würden, seien sie gesetzeskonform.

Vom Spazierdienst und den Einnahmen aus der Verhaltenstherapie könne er gut leben. Auf seinen Erfolgen ausruhen will sich Richli aber nicht: Vor vier Jahren begann er zusammen mit einem Partner die biologische Pflegelinie Biarom für Tiere zu entwickeln. Die Produkte mit ätherischen Ölen seien aber auch für Menschen geeignet. Kürzlich habe er eine ganze Pfadi-Gruppe mit dem Mittel «Parasitenschreck» eingedeckt. Es wirke gegen Zecken und Flöhe.

Spontan

bz. Thomas Richli antwortet spontan auf Stichworte, die ihm die bz vorgelegt hat:

Grippewelle: Viele kranke Leute die mir leid tun. Vorteil mehr Hunde-Spaziergänge.

UBS-Fusion: Von mir aus warum auch nicht.

Piccolo: Fasnacht.

Schnee: Hundefreude.

Zolli: Tiere ohne Freiheit.

Ostern: Freie Tage, da werde ich mit dem Motorrad unterwegs sein.

Saddam Hussein: Unbedingt für immer einsperren und mundtot machen.

Muba: Für mich nur Verkehrschaos, mehr nicht.

Von Mirjam Jauslin
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. Juni 2010 um 10:31 Uhr
 
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