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Schweizer Familie 6.1997
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Schweizer Familie 6.1997

Ausgefallene Dienstleistung

Frische Windeln für das Baby, ein Maasanzug für den Herrn, Bewegung für den Hund: Wer einen Heimservice in Anspruch nehmen will, kann heute unter zahlreichen Dienstleistungen auswählen.

Spaziergänger mit Hunden sind im Wald, den Naherholungsgebieten der Stadt ein gewohnter Anblick. Doch mancher Jogger auf dem Weg zur Finnenbahn staunt nicht schlecht, wenn ein  zwölfköpfiges Hunderudel über die Wege dirigiert wird.

Richli und seine Teilzeitmitarbeiter füllen mit ihrem PUdelWOhlen-Hunde-Spazier-Dienst offensichtlich eine Marktlücke. Und garantieren den vierbeinigen Lieblingen vielbeschäftigter Hundehalter gegen Entgelt den erforderlichen Auslauf.  Die bewegungshungrigen domestizierten Laufraubtiere werden an der Haustür abgeholt, im Wald oder im Puwo eigenen eingezäunten Auslauf-Gelände bewegt und wieder daheim abgesetzt. Doch damit nicht genug: Richli macht auch Hausbesuche als Verhaltenstherapeut für neurotische Hunde und ihre überforderten Herrchen und Frauchen.

Was im Dienste der Profitmaximierung und mit der wachsenden Mobilität unserer Gesellschaft weitgehend verschwunden ist, erlebt derzeit eine eigentliche Renaissance: Hausbesuch und Hauslieferung. Was es telefonisch zu bestellen gibt, beschränkt sich schon lange nicht mehr auf pappige lauwarme Pizzas aus der muffigen Schachtel. Vom Biogemüse, das wöchentlich frei Haus geliefert wird, über Elektro-Smogmessungen, Hunde- und Menschencoiffeure bis hin zu skurrilen Angeboten wie Nacktputzdiensten.

Hunde-Spazier-Service

Als Thomas Richli (38) nach dem Verkauf seines Fitnesscenters und dem Ausstieg aus der Firma Windelkurier, die er zusammen mit einem Kollegen aufgebaut hatte, wieder einer unselbständigen Erwerbsarbeit im Zoo-Engros-Handel nachging, fand er kaum noch Zeit, seinem Hund den nötigen Auslauf zu verschaffen. Aus dem naheliegenden Schluss, dass sich etliche Hundehalter mit dem gleichen Problem herumschlagen, entstand die Idee für ein florierendes Geschäft.

Seit 1991 holen Richli und seine Mitarbeiter mit Spezialfahrzeugen täglich rund zwanzig Hunde von zu Hause ab, gönnen dem Rudel Auslauf, Spass und Spiel, danach liefern sie die Vierbeiner müde und zufrieden wieder an der Haustüre ab. Der PUWO-Hundespazierservice erfreut sich wachsender Beliebtheit und ernährte schon nach einer Anlaufphase von einem Jahr seinen Mann.

« hört sich zwar einfach an, aber so ein Hunderudel zu führen ist eine schwierige Aufgabe», sagt Thomas Richli. «Nervöse oder ängstliche Neulinge machen die ganze Gruppe unruhig und müssen deshalb sehr vorsichtig eingeführt werden. Schliesslich wollen die Besitzer ihre Lieblinge wohlbehalten zurück.»

Nicht nur den Auslaufservice für 25 Franken pro Spaziergang ist im Angebot, damit des Menschen bester Freund sich auch mal unter seinesgleichen richtig austoben kann. Seit Richli sich zum Hundeverhaltenstherapeuten ausgebildet hat, werden ihm immer öfter auch Hunde von Tierärzten überwiesen. Ob nun ein Schäferhund den Staubsauger attackiert, ein putziger Yorkshireterrier jeden beisst, der sich dem Telefon nähert, oder sich eine Promenadenmischung einfach nicht mit anderen Hunden verträgt: Kein Abgrund der Hundeseele ist Richli fremd. «Um das Verhalten der Hunde zu ändern, muss man fast immer das Verhalten des Halters gegenüber dem Hund ändern. Wer versteht, was im Kopf seines Hundes vorgeht, wird auch mit solchen Problemen fertig.»

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. Juni 2010 um 10:27 Uhr
 
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